Verantwortunglosigkeit und Selbstüberschätzung

Gestern habe ich einen Finanzstatus erstellt. Also eine Übersicht sämtlicher privater als auch geschäftlicher Einnahmen und Ausgaben, die entsprechend ernüchternd, wenn nicht erschreckend ausfällt. Mir fällt jetzt erst auf, wie sehr ich das immer wieder verdrängt und in die “Wird schon alles stimmen”-Ecke geschoben habe. Ich mache das gerade beim Thema Geld immer wieder, ich schaue einfach nicht richtig hin und berufe mich stattdessen auf dieses ungeklärte Seinlassen.

Ich habe neulich schon mal halbherzig versucht, das zu untersuchen. Ich trenne nicht richtig zwischen den Dingen, die einfach passieren und auf die ich keinen Einfluß habe, und denen, bei der schlampiges und verantwortungsloses Handeln zu einer Verschlechterung meiner Lage führt. Es hat vor allem etwas mit guter Lebensführung und der Achtung vor dem guten Haushälter zu tun. Für den Großteil meines Lebens bekomme ich das auch hin, nur beim Wirtschaften mit finanziellen Mitteln gerate ich regelmäßig aus dem Ruder. Ich bin leichtisinnig und realitätsfern. Der eigentliche Knackpunkt ist aber, dass ich dies als eine meiner besonderen Eigenschaften sehe. Ich habe mein bisheriges Leben auf diese Art und Weise gelebt und auch wenn ich manchmal am Rande eines finanziellen Desasters stand, bin ich da immer wieder heil rausgekommen. Und habe mir trotzdem alles gegönnt, was ich wollte. Im Nachinein kann das nur Glück gewesen sein, was ich jetzt auf die Spitze getrieben habe und dafür die Rechnung serviert bekomme. Ich habe auch neulich schon mal geschrieben, dass ich das Unglück daher sogar fast herbeisehne, um endlich von dieser schlechten Angewohnheit loszukommen.

Das schonungslose Auflisten der finanziellen Lage bringt etwas Ruhe und Struktur in diesen gedanklichen Brei. Es scheint für mich eine Art Lebensaufgabe zu sein, hier endlich normal und verantwortungsbewußt zu werden. Und meine Selbstüberschätzung endlich aufzulösen.

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