Kinder und Eltern
Gestern nachmittag war ich mit beiden Jungs beim Geburtstag eines anderen Kindergartenkindes. Es war ein sehr angenehmes und entspanntes Zusammensein im Innenhof. Ich freute mich vor allem zu sehen, wie die Jungs mit den anderen spielten und sich wohlfühlten. Es ist auf jeden Fall ungewohnt, denn ich sehe sie ja meistens allein und kenne ihr “soziologisches Verhalten” daher kaum. Mir fällt aber auch das Wunschdenken auf, das sich beim Gedanken an die Kinder erhebt. Natürlich möchte ich, dass sie sich zurechtfinden und behaupten. Ich will mir aber auch immer darüber im Klaren sein, dass sie auch respektiert und geliebt werden wollen, wenn sie meinem Wunschbild nicht entsprechen. Am liebsten hätte ich natürlich gar kein Wunschbild, aber das fällt schwer. Es ist aber gut, dass ich mir das vor Augen halte.
Später wurden Erwachsenen-Getränke serviert. Ich lehnte dankend ab, liess aber auch nicht aus, anzumerken, dass ich keinen Alkohol tränke. Dahinter steckte eindeutig das Kalkül, dadurch interessant zu erscheinen. Während Männer in der Regel belustigt bis skeptisch auf diese Eigenart reagieren, kann ich bei Frauen durchaus auch Bewunderung dafür erkennen. Und genau das wollte ich damit natürlich bezwecken. “Bewundere mich!” “Sieh, was für ein außergewöhnlicher Mensch ich bin”. Auch der Aspekt der Trennung drückt sich gegenüber den Anderen inzwischen nicht mehr als Schuldgefühl, sondern als Unterstreichung des Besonderen aus. Da blitzt dann auch der Hauptzug auf.
Inzwischen hat sich zu einigen Leuten im Kindergarten-Umfeld eine Art freundschaftliches Verhältnis aufgebaut, welches ich sehr geniesse. Durch die Kinder ist man nicht immer gezwungen, sich ständig miteinander zu befassen, die Zeit reicht aber aus, damit man sich kennenlernen kann. Ich habe einen besseren Draht zu den Müttern, bei den Vätern kommt schneller so etwas wie Konkurrenz- oder Vergleichsdenken auf, es ist einfach nicht so herzlich. Aber wie gesagt, ich ziehe dadurch auch meinen Nutzen, denn ich werde beachtet (und bewundert).
Ar. hat zur Zeit schlimme Hauptprobleme, es sieht sehr nach Neurodermitis aus. Auch scheint er mir zur Zeit durchzuhängen und mit sich zu kämpfen. Es macht mich sehr traurig, ihn so zu sehen. Ich wünsche mir dann, ich könnte öfter bei ihm sein oder ihn sogar eine Zeit lang hier wohnen lassen, aber ich habe dabei ein schlechtes Gewissen H. gegenüber.