M. und die Vermischung von Interessen
Mai 13, 2008 by ChristianIm Umgang mit M. haben sich neue Aspekte eingeschlichen, die Otto Mainzer “Vermischung von unverfälschten, liebevollen Absichten mit wirtschaftlichen bzw. persönlichen Interessen” nennen würde.
Zum einen ist dies der gemeinsame Umgang mit den Kindern. M. war Sonntag abend hier und tollte mit H. herum, während ich ihn langsam zum Schlafengehen fertig machen wollte. So musste ich M. irgendwann zur Seite nehmen und ihr sagen, dass wir uns einig sein müssten, damit H. uns nicht gegeneinander ausspielt. M. hatte dafür zwar vollstes Verständnis, es war ihr aber auch unangenehm, sich sozusagen auf “meine Seite” schlagen zu müssen und weiteres Spielen mit H. zu untersagen. Sie wurde dadurch von einer rein freundschaftlichen zu einer Art autoritären Bezugsperson. Ich versuchte ihr zwar später zu erklären, dass H. dies akzeptieren würde und deshalb nicht sauer oder enttäuscht von M. wäre. Es blieb aber ein leicht komischer Geschmack zurück, denn ich würde M. gerne von Verantwortlichkeiten gegenüber den Kindern fernhalten (und sie sich auch). Aber vielleicht geht das eben irgendwann nicht mehr, wenn man Zeit zusammen verbringt. Und die Klärung ist allein schon deshalb wichtig, weil wir Anfang Juni zusammen ein paar Tage nach Holland ans Meer fahren wollen.
Der andere Aspekt ist aber gravierender, vor allem weil dort ein Verhalten von mir zum Vorschein kam, welches ich schon für begraben hielt. M. hat, als mein Shop startete, einen WLAN-Router bei mir gekauft. Zum einen weil sie sowieso einen brauchte, zum anderen damit ich einfach etwas verdiene. Ich half ihr dann auch bei der Entscheidungsfindung und bot ihr auch an, den Router bei ihr zu installieren. Das Unglück fing nun damit an, dass der Router sich nicht installieren liess, weil er offensichtlich defekt war. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits ein paar Stunden investiert und war etwas frustriert. Das Problem war hier bereits da, da sich Persönliches und Geschäftliches miteinander zu vermischen begannen. M. hatte den Anspruch auf ein intaktes Gerät, es lief jedoch seitens des Herstellers auf eine Gutschrift hinaus. M. und ich kommunizerten darüber nur per Email, wobei ich nicht richtig verstand, dass M. erwartete, dass ich ihr ein neues oder ähnliches Gerät besorgen sollte. Ich dachte, dass wir darüber nochmal reden würden.
Jedenfalls kam dies alles Sonntag abend nochmal zur Sprache, woraufhin die Situation fast eskalierte. M. beharrte auf ihrem “Recht” als Käufer, ich wurde jedoch wütend, weil ich sie für undankbar hielt. Ja genau, hier war mein Problem. Dieser ganze Vorgang war für mich von vornherein ein Gefallen, den ich ihr tat, während sie es wahrscheinlich genau anders herum sah. Ich kenne diese Seite an mir, ich bin in der Vergangenheit bereits oft sehr ungeniessbar gewesen, wenn eine Gefälligkeit von mir nicht ausreichend gewürdigt oder sogar übergangen wurde.
Ich kann M. keinen Vorwurf machen. Ich hätte nur meinem Gefühl stärkeren Ausdruck verleihen müssen, wonach ich der Vermischung von Privatem und Geschäftlichem von vornherein skeptisch gegenüber stand. Ich hatte erwartet, dass M. die Gutschrift einfach annimmt und den Fall für erledigt betrachtet, stattdessen pochte sie weiter und machte Bemerkungen, die ich mich trafen und die ich nicht verarbeiten konnte (”Du hast mich nun als Kunden verloren.”). Dazwischen tauchte dann auch noch eine witzig gemeinte Bemerkung auf, die ich für völlig deplatziert hielt. Es war ein einziger Brei von verschiedenen Dingen, die mich schliesslich so aufwühlten, dass ich aufstehen und rausgehen musste.
Ich habe später überlegt, ob hier auch der Frust über das generell schlecht laufende Geschäft zu Tage trat, sehe aber eigentlich keinen Grund, dies an M. auslassen zu müssen.
M. und ich einigten uns später darauf, diesen Vorgang nun so schnell wie möglich zu beenden und zu vergessen. Ich spüre nun trotzdem noch so etwas wie Groll auf sie und wünschte, es würde vorbeigehen. Es scheint, als ob wir beide eine ganz andere Seite unseres Zusammenseins gesehen hatten, die uns erschreckte. Ich finde es grundsätzlich nicht schlimm, diese Konfrontation gehabt zu haben, denn es war ungeklärt, vor allem für mich. Schlimm finde ich nur diesen kleinen unbarmherzigen Keil, der sich in unser freies und leichtes Zusammensein gedrängt hat und meine Gefühle trübt.